Gerhard Cervenka

Gerhard CERVENKA

Sehnsucht nach Farbe

Malerei – Grafik

1968 – 2020

Anonymes Wasser

Ich bin in einem Land an der Donau geboren, in einer Ebene, umringt von sanften Hügeln an denen der Wein wächst, mit vielen Feldern – dem Tullner Feld. Der schönste Aufenthalt war für mich immer am Rande des Wasserlaufs, im niedrigen Schatten der Weiden, den Donauauen... Es macht mir jetzt noch Freude, einen Strom zu begleiten, an seinen Ufern entlangzulaufen in der Richtung des Wassers, welches fließt, des Wassers, welches das Leben anderswohin trägt, in die nächste Stadt... Doch die Heimat ist weniger eine ausgedehnte Fläche als ein Stoff; sie ist ein Granit oder eine Erde, ein Wind oder eine Trockenheit, ein Wasser oder ein Licht. In ihr materialisieren wir unsere Träumereien; durch sie bekommt unser Traum seine richtige Substanz... In meinen Träumen am Fluss habe ich meine Phantasie dem Wasser geweiht, dem grünen und klaren Wasser, dem Wasser, das die Wiesen grünen und den Wein blühen lässt. Ich kann mich nicht an einen Bach oder Fluss setzen, ohne in tiefes Träumen zu verfallen, ohne mein Glück wiederzusehen... Es muss nicht der Strom meiner Heimat zu sein und auch nicht das Wasser meiner Heimat. Das anonyme Wasser kennt alle meine Geheimnisse. Dieselbe Erinnerung steigt aus allen Quellen auf, wie das Spiegelbild, wenn ich ins Wasser blicke.

frei nach Gaston BACHELARD,